Alles ok mit dir?

Mittelschule Salzachtal veranstaltet einen Projekttag rund um die seelische Gesundheit

 Die Mittelschule Salzachtal veranstaltete vor kurzem einen „Marktplatz der seelische Gesundheit“ in der Turnhalle in Fridolfing. Die schuleigene Solzalpädagogin Nicole Reiter rief diesen ungewöhnlichen Vormittag ins Leben. Warum? „Wie es total wichtig ist! Wir haben gemerkt, dass es immer mehr Schüler gibt, denen es einfach nicht gut geht und haben uns überlegt, wie man den Jungs und Mädchen helfen könnte.“ Aus diesen Überlegungen sei der „Marktplatz der seelischen Gesundheit“ entstanden. Reiter initiierte das Projekt gemeinsam mit Stefan Schramm, dem Regionalkoordinator für das Salzachtal vom Landratsamt Traunstein. Reiter, Schramm und Schulleiter Thomas Stehböck luden dazu neben den Mittelschullehrern verschiedene Redner aus den unterschiedlichsten Bereichen der seelischen Gesundheit ein, die jeweils eine der 14 sorgfältig ausgewählten Stationen betreuen sollten. Ziel des Vormittags war, dass die Schüler erkennen, dass es ok ist, sich auch mal schlecht zu fühlen, dass man damit nicht alleine ist und wie und bei wem man sich Hilfe holen kann, wenn man das Gefühl hat, es allein nicht zu schaffen.
Gespannt betraten die insgesamt 163 Schülerinnen und Schüler der 7. bis zur 10 Klasse die Turnhalle und verteilten sich in Gruppen auf die 14 aufgebauten Stationen. Im Rundlaufsystem konnten sie sich jeweils eine Viertelstunde an den jeweiligen Ständen informieren und sich selbst auch einbringen. Sebastian Schade und Anja Liesl beschäftigten sich an der Station „Mythos – Fakt – Standogramm“ mit wahren oder verfälschten Aussagen zur psychischen Gesundheit. Um die „Hitliste der Probleme“ ging es bei Martin Schupfner. Die Schüler wählten aus einer vorgegebenen Liste Probleme ihrer eigenen Lebensphase aus und überlegten anschließend gemeinsam, wie man dieses Problem lösen könnte. Ruhig und schonungslos ehrlich erzählte die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Petra Ohlendorf von Fallbeispielen der Selbstverletzung bis hin zum Selbsthass bei der Station „SOS der Seele“.
Beim „Lebenstank“ erarbeiteten die Schüler gemeinsam mit den Familienbeauftragten Sophia Fellner und Kathrin Maier-Enzinger Strategien, auf die sie in den verschiedensten Krisensituationen zurückgreifen können. „Psychische Erkrankung – Einfach nur peinlich?“ fragten Marion Dressler und Ines Einenkel. Sie setzten sich gemeinsam mit den Schülern mit der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen auseinander. Um Angst und Angststörungen ging es bei der Station „Wer kennt sie nicht? – Die kleinen und großen Monster des Alltags“. Die Schüler lernten, dass Angst hilfreich sei, da sie vor Gefahren warne. Wenn die Angst jedoch überhandnehme und sich in Atemproblemen, Schwindel oder dem Gefühl des Kontrollverlustes zeige, habe man ein Problem, das man angehen müsse. Melanie Sterkel von der Katholischen Jugendstelle im Landkreis Traunstein erzählte hierzu von Phobien, Panikstörungen oder auch der sogenannten generalisierten Angststörung.
Im Quiz über psychische Gesundheit im Stil der bekannten Fernsehsendung „1, 2 oder 3“ testeten Franz Thaller und Lisa Baumann das Wissen der Teilnehmer. Elli Badinelli und Bruno Tschoner fragten die Schüler „TIKTOK – Gesund oder krank?“. Die beiden erörterten mit den Jugendlichen ihre Erfahrungen mit der Plattform und welchen Einfluss diese auf die emotionale Gesundheit der Menschen hat. Mit dem „Super-Ich-Baukasten“ erschufen die Schüler unter der Anleitung von Markus Riedl und Andreas Lutz in entspannter Atmosphäre einen „perfekten“ menschlichen Charakter. Im Anschluss wurde darüber diskutiert, wie es denn wäre, perfekt zu sein und keine Probleme zu haben.
Einem weiteren schwierigen Thema nahm sich Sabine Pandey von der Katholischen Jugendstelle im Landkreis Traunstein an: Depressionen. An ihrer Station „Nebel – Wenn alles nur noch grau ist“ wurde zunächst ein Film gezeigt, bei dem die Volkskrankheit Depression erklärt und von mehreren Seiten beleuchtet wurde. Menschen, die an einer Depression leiden, seien nicht mal kurz traurig, erzählt die Sozialpädagogin. „Sie fallen in ein emotionales Tief, das über mehrere Wochen andauern kann.“ Oft seien sie von Selbstzweifeln zerfressen. Pandey zitierte den Comedian Kurt Krömer: „Depression ist für mich wie eine Messi-Wohnung im Gehirn.“ Dieser Vergleich sei sehr treffend, so Pandey. Eine Therapie helfe, aus dieser Messi-Wohnung wieder eine 2-Zimmer-Wohnung zu machen in der man seine Sachen wieder finde.
Eine der wichtigsten Stationen an diesem Vormittag betreute Johannes Lanser. Er bearbeitete bei „Wer kann mir helfen?“ diverse Fallbeispiele und stellte die entsprechenden professionellen Hilfe- und Beratungsstellen vor. Beim „Frustomat“ von Anneliese Köberle und Johann Schild überlegten die Schüler gemeinsam, ab welchem Zeitpunkt es wichtig wäre, sich professionelle Hilfe zu suchen. Bin ich wegen eines einzelnen Vorfalls einfach nur traurig und schaffe es selber aus diesem Loch, oder schaffe ich es vor lauter Traurigkeit nicht mehr aus dem Bett? Mache ich mir Sorgen wegen einer Klassenarbeit oder quälen mich meine Sorgen so, dass ich nicht mehr schlafen und an nichts anderes mehr denken kann? Im Ampelsystem grün/gelb/rot diskutieren alle gemeinsam, ab wann man sich unbedingt Hilfe holen sollte. „Was wäre, wenn…“ fragten Irmgard Fenninger und Bettina Bauer. Die beiden gaben bestimmte Alltagssituationen vor und fanden gemeinsam mit den Schülern geeignete Lösungsstrategien. Bei der letzten Station erarbeiteten Peter Ongyerth und Bernadette Zauner mit den Jugendlichen einen persönlichen Notfallplan, den sie anwenden können, wenn es ihnen nicht gut geht.
Das Fazit dieses Vormittags war durchwegs positiv. Die Schüler erkannten, sie sind nicht allein mit ihren kleinen und großen Problemen und dürfen darüber sprechen, ohne sich zu schämen. Sie lernten, wie sie sich in den verschiedensten Situationen selbst helfen und an wen sie sich wenden können, wenn sie ein Problem nicht alleine lösen können. Es ist nicht peinlich, sich Hilfe zu holen, wenn man Hilfe benötigt, sondern ein Zeichen von Stärke.

 

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