Jede Menge Spaß und doch auch gefährlich

Digitaltrainer Hendrik Odendahl spricht in der Mittelschule Salzachtal über das Smartphone

Die Schülerinnen und Schüler der vierten bis siebten Klasse der Grund- und Mittelschule Salzachtal erlebten vor kurzem einen interessanten Vormittag in der Aula in Fridolfing. Digitaltrainer Hendrik Odendahl war zu Gast und sprach über eines der Lieblingsthemen der Kids: Das Smartphone. Die Jugendlichen freuten sich vor allem auf diesen Vortrag, weil sie zum einen ausnahmsweise alle ihre Handys mitbringen durften und zum anderen viel über einige ihrer liebsten Zeitvertreibe hörten: Alles von Tik Tok bis hin zum Zocken.
Hendrik Odendahl weiß, wovon er spricht. Das merkte man gleich zu Beginn des kurzweiligen Vortrags. Enthusiastisch erzählte er von seiner eigenen Kindheit und dem Beginn des medialen Zeitalters, damals noch mit einem Commodore-PC, der vielen Eltern vielleicht noch im Gedächtnis sein dürfte. Ebenso weiß der Digitaltrainer um die Faszination dieser Geräte von den frühen sperrigen Computern bis zum heutigen Smartphone. Doch warum sind diese Smartphones so attraktiv? „Man bekommt Spaß, Unterhaltung, kann Zocken und mit Freunden kommunizieren. Klar, dass man da schwer davon loskommt“, so Odendahl. Auch er selbst müsse sich des Öfteren zwingen, das Smartphone wegzulegen und stattdessen mal zu einem Buch zu greifen. Denn es sei so einfach, sich mit diesem kleinen Gerät die Zeit zu vertreiben. Dies sei auch nicht verwerflich. Im Gegenteil. Wenn man es jedoch übertreibe, blieben viele andere Dinge auf der Strecke.
Und diese fangen beim Schlaf an: „Wie viele von euch legen das Handy in der Nacht neben das Bett?“ Alle Hände schießen nach oben. „Und warum ist das so?“, fragt Odendahl weiter. Es kommen Antworten, wie zum Beispiel: „Ich kann nur schlafen, wenn das Handy neben meinem Bett liegt, weil ich dann sicher sein kann, dass die Mama meine WhatsApp-Nachrichten nicht liest.“ Der Digitaltrainer fragt weiter: „Und wie viele von euch schalten nachts das Handy nicht aus?“ Wieder gehen beinahe alle Hände nach oben. Odendahl stellte fest, dass die Schüler eigentlich genau wüssten, dass sie besser schlafen würden, wenn es ausgeschaltet sei. Heftiges Kopfnicken mit einem verschmitzten Lächeln war überall zu sehen. Doch warum schalte man es nicht aus? „Das ist die ‚fear of missing‘. Die Angst etwas zu verpassen“, weiß Odendahl. „Es könnte ja jemand etwas Wichtiges in den Klassenchat schreiben.“ Das Handy fange bei jeder Nachricht an zu leuchten oder zu vibrieren und schwupps sei man wieder wach. Erholsamer Schlaf sei anders. Ganz zu schweigen von der Strahlung, die vielleicht oder vielleicht auch nicht von den Smartphones ausginge. „Strahlung. Ganz ehrlich? Man weiß es einfach nicht. Ist es nun gefährlich oder nicht? Bekommt man davon Krebs oder nicht?“ Man könne es einfach nicht sagen. Nicht einmal die Wissenschaftler seien sich einig. Jedoch, als der Referent fragte, ob sie neben die Köpfe ihrer eigenen kleinen Kinder die ganze Nacht ein Smartphone legen würden, wenn auch nur die geringste Chance bestünde, dass sie davon irgendwann mal krank werden könnten, hoben sofort alle Zuhörer empört die Hände und gaben an, dies niemals zuzulassen. „Aber selber macht man es halt dann doch“, so der Referent augenzwinkernd. Das sei bei den Erwachsenen nicht anders.
Als nächstes sprach Odendahl über das allseits beliebte WhatsApp. Er fragte, was denn die höchste Anzahl an Nachrichten gewesen sei, die die Kids jemals erhalten hätten. Von 500 bis unglaublichen 12.000 Nachrichten kamen die unterschiedlichsten Antworten. Odendahl war nicht überrascht und wusste zu berichten: „Wenn man eure Eltern fragt, sind 30 Nachrichten am Tag wahrscheinlich schon viel.“ Damals habe man das Handy beziehungsweise WhatsApp lediglich zum kurzen Informationsaustausch genutzt. Heutzutage seien die Kinder in mehreren Klassen- oder Gruppenchats gleichzeitig. Hier gehe es weniger um Informationsaustausch, als vielmehr um das Senden von Stickern, Bildern, Videos oder Aussagen wie zum Beispiel „Mir ist langweilig“, auf die dann zig „Mir auch“ folgen. Da mussten die Jugendlichen schon lachen, da sie sich in den Worten des Referenten durchaus wiedererkannten.
Bezugnehmend auf die genannten Sticker und Bilder mahnte Odendahl an, sich zu überlegen, was man erstelle oder weiterverbreite. „Bei manchen Bildern muss man sich fragen, ist das ‚nur‘ geschmacklos oder schon kriminell?“ Er erzählte von diversen Motiven, die einen Nazi-Bezug hätten oder nackte Körper von Minderjährigen zeigten. „Das ist nicht mehr lustig, sondern strafbar.“ Odendahl riet den Jugendlichen: „Wenn ihr sowas bekommt, weist den Absender darauf hin, dass ihr sowas nicht sehen möchtet. Schickt diese Nachrichten auf keinen Fall weiter, sondern löscht sie und verlasst notfalls den Chat.“ Der Referent erzählte von einem Fall, in dem an einer Schule über Snapchat das Nacktbild einer Minderjährigen weitergeschickt wurde. „Nach kürzester Zeit haben das 800 Personen gesehen.“ Dies habe die Polizei auf den Plan gerufen, die dann von sämtlichen Schülern die Handys eingezogen hätten, die dann über Monate ausgewertet wurden. „Da kann man schon sagen, mir passiert nichts, weil ich unter 14 bin“, so Odendahl. Fakt sei aber, dass die Verbreiter des Bildes in diesem Fall bis zu einem Jahr kein Handy gehabt hätten und einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis bekommen hätten. Die Straftat: Sexuelle Nötigung von Minderjährigen. „Und mit diesem Eintrag hat sich die Jobsuche bei euch erledigt. Ob als Lehrer, Kinderpfleger oder sogar als Fußballtrainer – Das könnt ihr dann vergessen.“

„Bitte sagt, wenn euch etwas komisch vorkommt!“

Auch auf eine weitere Gefahr wies Odendahl hin. Er erzählte von einem Fall, bei dem ihm eine Schülerin von einem „tollen Typen“ vorgeschwärmt hatte, mit dem sie seit Wochen gechattet habe und dass sie vorhabe, sich nun endlich mit ihm zu treffen. „Gott sei Dank hat sie mir das erzählt“, so der Referent. Er habe sich mit der Schule, den Eltern und der Polizei in Verbindung gesetzt. Das Treffen sei dann auch vereinbart worden. Doch anstelle des Mädchens sei die Polizei vor Ort gewesen. Diese habe dann keinen 13-jährigen verliebten Schüler angetroffen, sondern einen rund 50-jährigen vorbestraften Pädophilen. „Bitte, bitte, sagt euren Eltern, wenn euch etwas komisch vorkommt“, fleht Odendahl. „Wenn euch einer fragt, wo ihr wohnt oder ob ihr alleine zuhause seid, gebt sowas niemals preis!“ Es seien leider einfach viele schlimme Menschen im Netz unterwegs, die gezielt nach Kindern und Jugendlichen suchen, die leicht zu beeinflussen seien. „Habt keine Angst, dass eure Eltern euch das Smartphone wegnehmen. Ihr habt keinen Fehler gemacht, wenn ihr schlimme Bilder oder Aufforderungen bekommt! Nur der Absender hat den Fehler gemacht.“ Odendahl versprach, dies auch deren Eltern in seiner abendlichen Wiederholung des Vortrages noch einmal eindringlich zu sagen. „Eure Eltern müssen stolz sein, dass ihr euch ihnen anvertraut. Nicht sauer.“ Nachdem Odendahl den Zuhörern noch erklärte, wie man ihre Handys mit bestimmten Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen noch sicherer machen kann, schloss er mit den Worten: „Viel Spaß in der digitalen Welt, aber passt gut auf euch auf!

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